Morning Roundup – DENKEN SIE GROSS

 

FRANKFURT. Die Wirtschaft schwächelt. Sparbücher schmelzen dahin. Banken geben günstige Zinssätze der EZB nicht an Kunden weiter. Kleine und mittelständische Unternehmer kommen nur schwer an Kredite, um ihre Vorhaben zu finanzieren. Die Eurozone schrammt an einer Rezession entlang. »Helicopter Money«, als letzter Ausweg, ist in aller Munde.

In einem »Akt der Verzweiflung« kauft die EZB seit Mittwoch nicht nur Staatsanleihen an, sondern in einem neu aufgelegten Programm nun sogar Unternehmensanleihen. Gut gemacht, möchte man meinen. Aber weit gefehlt. Nicht die Papiere kleinerer, mittelständischer Unternehmen werden hier gekauft, nur die der ganz ganz Großen: Siemens, Renault, VW (laut Bloomberg). Die Großen bekommen mehr. Schon wieder.

Mario Draghi hofft aber auf einen Trickledown-Effekt, um so die Wirtschaft zu beleben. Rein theoretisch, eine gute Idee. Wenn es den Großen nur gut genug geht, dann bekommen auch die Kleinen etwas ab? Ähnliches wurde beispielsweise in den USA versucht. Dann allerdings schnell wieder beendet, da die erhoffte Wirkung nicht eintrat. Der Trickledown-Effekt wollte sich partout nicht einstellen.

Was sagen Kritiker?

Wenn die EZB den Markt sicherer Papiere großer Unternehmen leer kauft, werden die Zinsen weiter sinken. Privatanlegern, Versicherungen oder Pensionsfonds, die eine ordentliche Verzinsung wollen, blieben dann nur die risikoreicheren Anlagen. Schon jetzt sehen Kritiker darin eine schleichende Enteignung von Privatanlegern, laut SPON. Außerdem benachteiligt das Programm gerade die hilfsbedürftigen kleinen und finanzschwachen Betriebe aus Südeuropa. Ebenso den deutschen Mittelstand, für den ein Wettbewerbsnachteil entsteht, da Finanzierung über Anleihen für kleine und mittlere Unternehmen in den allermeisten Fällen sowieso keinen Finanzierungsweg darstellt.

„Solvente Großkonzerne können sich dagegen noch günstiger finanzieren als jetzt schon – und damit unter Umständen noch mächtiger werden. Wenn der Pharmakonzern Bayer  also Anleihen auflegt, um den US-Saatgutriesen Monsanto zu übernehmen, dürfte die EZB zugreifen. Damit finanziert die Euro-Notenbank den Kauf von Monsanto  quasi mit. Für Bayer ist das angenehm – der Deal wird leichter finanzierbar.“ (Spiegel Online, 8.6.2016)

Auch mehrere Konzerne haben sofort reagiert: Die europäische Tochterfirma von McDonald’s beispielsweise legte »drei Anleihen über insgesamt 2,5 Milliarden Euro auf.«

Kritik: Als einen „Akt der Verzweiflung“, zitiert die FAZ gestern den Deutsche-Bank Chefvolkswirt David Folkerts-Landau über das neue Programm der .

 

 +++ LIEBLINGSWEBSEITE +++ Jacobin – Reason in Revolt +++

The ABCs of Socialism. Ein Buch über Sozialismus. Eine Webseite, Anzeige für ein Buch einer Textsammlung der Autoren des Jacobin Magazins (siehe Interview mit dem jungen US-Journalisten und Magazingründer Bhaskar Sunkara im Freitag, Ausgabe 21/16).

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Kurze Sätze, unterlegt mit Hyperlinks führen direkt zu den jeweiligen Texten im Archiv der Jacobin-Webseite: I might be a socialist but … CLICK … But at least capitalism is free and democratic, right? … CLICK … It might seem that way, but genuine freedom and democracy aren’t compatible with capitalism. … CLICK

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Nicht nur sind die Texte progressiv und klug, auch die Webseitengestaltung ist gut durchdacht, einfach zu navigieren, eigenwillig illustrativ und humorvoll umgesetzt. Die Vektorgrafiken – »cheap vector art for the consuming masses« – von prägen sich sofort ins Gedächtnis ein.

The ABCs of Socialism Webseite ist ein kleines Erlebnis, gelingt hier doch was im Netz oft beabsichtigt aber nur selten erreicht wird: Wissen auf ganz beiläufige Art zu vermitteln. In spielerischer Leichtigkeit arbeitet man sich an den brennenden gesellschaftlichen Fragen des Sozialismus ab. Lesen, lesen, lesen. ClickClick. *** Top. 10/10

 

Deichkind – Denken Sie groß

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About Auerbach

Australian-German artist-designer-publisher, with a passion for politics, currently based in Frankfurt and London. Covering a wide range of artistic production in the Visual Arts - exhibitions, design, curatorial. Zylvia has designed several publications for major art book publishers.

One response to “Morning Roundup – DENKEN SIE GROSS”

  1. Auerbach says :

    Hat dies auf montagfrei rebloggt.

    Gefällt 1 Person

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