Morning Roundup: Der Ball ist rund …

by JR und Auerbach

PARIS. Zum heutigen Beginn der EM in Paris befindet sich Frankreich wegen der Verschärfung neuer Arbeitsmarktgesetze in einer Phase der größten Streiks seit 1968. Zusätzlich aufgeheizt wird die Lage, durch Notstandsgesetze und einen von der Regierung verhängten, zweimal verlängerten und immer noch andauernden Ausnahmezustand. +++

+++ FIFA. Ermittlungen gegen Franz Beckenbauer abgeschlossen. Der Welt-Fußballverband, ein Hort geschäftlicher Interessen und Korruption. Beckenbauer wird ein Interessenkonflikt bei den WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) vorgeworfen. Seine Repräsentanten-Aufgabe beim russischen Energieriesen Gazprom ebenso wie geschäftliche Interessen in Katar. Mehr dazu heute in der SZ.

Ob die Fifa-Fahnder wegen der Bestechungsvorwürfe gegen das Organisationskomitee der WM-Endrunde 2006 in Deutschkand weitere Untersuchungen gegen Beckenbauer und Präsident Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund aufgenommen haben, teilte die ermittelnde Kammer nicht mit. (SZ, 10.06.20169)

Zahlen: Der Verbleib von 6,7 Millionen ist jedoch nach wie vor ungeklärt. 5,11 Millionen Euro beträgt die Forderung der Kanzlei Freshfields für die Untersuchung der WM-Affäre aus dem Jahr 2006.

Der DFB hatte die Kanzlei Freshfields im Herbst des vergangenen Jahres damit beauftragt, die Geschehnisse rund um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland zu untersuchen. Doch auch nach der Aufarbeitung ist unklar, wofür das WM-Organisationskomittee (OK) 6,7 Millionen Euro an die Fifa überwiesen hat. (SPON 27.05.2016)

+++ Die Pressemeldung der FIFA Ethik-Kommission / Independent Ethics Committee Investigatory Chamber Media Release: confirms proceedings against Blatter, Platini and Valcke. +++

 

Fairer Bildungszugang in China „nicht ohne zentrale Prüfung“

CHINA. „Huanqiu Shibao“, eine halbamtliche chinesische Zeitung, die sonst relativ viel über Weltpolitik berichtet, stellte bereits am frühen Mittwochmorgen, dem zweiten Tag der landesweiten chinesischen Hochschulzugangsprüfungen (gaokao, vergleiche letzte Schlagzeile vom 06.06., Verwirklichung chinesischer Träume) Überlegungen zur Zukunft dieser chinesischen Tradition online:

Die jährlichen Hochschulzugangsprüfungen haben seit dem 7. Juni wieder das ganze Land zur Bühne – es ist wie die jährliche große Reisewelle zum Frühlingsfest, das sich ebenfalls Jahr für Jahr unter den Augen einer verblüfften Weltöffentlichkeit ereignet. Die gaokao bilden ein chinakulturelles Kontinuum, das die Schicksale unzähliger normaler Familien beeinflusst, als im ganzen Land spürbares Ereignis. Die gaokao bilden auch einen Faktor, der ein Schlaglicht wirft auf die Unterschiede zwischen China und der Welt.

In den letzten Jahren wiesen die Teilnehmerzahlen an den gaokao jedes Mal einen leichten Abwärtstrend auf. In Beijing und Shanghai fielen sie in diesem Jahr sogar auf etwa die Hälfte der früher verzeichneten Höchstwerte. Aber die Bedeutung der gaokao für die soziale Allokation des sozialen Nutzens und ihrer Schlüsselrolle bei der Gewährleistung der Fairness bleibt unverändert. Das Ausmaß, in dem sie die Herzen der Menschen berühren, hat nicht nachgelassen.

Es werde viel auf die Zugangsprüfungen geschimpft, so „Huanqiu Shibao“, aber sie seien eben letztlich doch die Institution, der die Chinesen die größte Wertschätzung entgegenbrächten. Ihre Beiträge zu einer Zugangsgerechtigkeit zur Hochschulbildung sei sie in den Augen von immer mehr Menschen unersetzlich.

Die beiden erfolgreichsten „Zugangsprüfungsfabriken“, also die höheren Mittelschulen, die als besonders erfolgreich bei der Vorbereitung von Prüfungskandidaten zu den Hochschulprüfungen gelten, befänden sich in der Provinz Anhui und in der Provinz Hebei, jeweils in wirtschaftlich vergleichsweise wenig entwickelten Provinzen, so „Huanqiu Shibao“:

Hier zeigt sich eine tatsächliche Kluft zwischen der Zugangsgerechtigkeit für Kinder aus unterschiedlichen Regionen. In Chinas bevölkerungsreichster Provinz, in Henan, gibt es in einigen bezirksfreien Städten untere Mittelschulen, an denen die Kinder jahrein, jahraus von halb sechs morgens zur Schule kommen, und erst abends um neun wieder mit dem Lernen aufhören. Und die Phase während der höheren Mittelschuljahre ist noch härter.

Das mache nicht mehr jeder mit, deutet die Zeitung an, indem sie auf die zunehmende Zahl junger Chinesen verweist, die zum Studium ins Ausland gehen. Ihre Zahl habe 2015 530.000 erreicht – für Chinas universitären Bildungssektor sei das nicht gut. Es handle sich um einen enormen bildungsmäßigen Kapitalabfluss, so der Artikel, während die Teilnehmerzahlen an den gaokao nachließen. Einige chinesische Universitäten stelle die ausländische Konkurrenz bereits vor Probleme. Hier bestehe Bedarf zu großen Verbesserungsbemühungen. Erforderlich sei eine Fähigkeit chinesischer Universitäten, eine beträchtliche Anzahl vielversprechender Studenten in China zu halten.

 

Update / 09:45 — UN: Einknicken vor Saudi-Arabien?

 

Laut „Foreign Policy“ drohte Saudi-Arabien vor einigen Tagen den UN mit der Streichung von „hunderten Millionen Dollars“ an Hilfen für humanitäre Zwecke, sollten Riyadh und seine Verbündeten im Jemen-Krieg nicht von einer schwarzen Liste genommen werden. Die Liste enthält Gruppen oder Mächte denen vorgehalten wird, in bewaffneten Konflikten Kindern schaden zufügen. Hochrangige saudische Diplomaten drohten demnach außerdem damit, Riyadh könne in Abstimmung mit anderen arabischen Regierungen ihre Verbindung zu den UN abbrechen.

In der Hoffnung, die Saudis zu besänftigen, gab Ban Ki-moon am Montag eine Erklärung heraus, der zufolge er Saudi-Arabien von der Liste entfernen und eine Untersuchung der Angelegenheit durch ein von den UN und Saudi–Arabien gemeinsam zu besetzendes Gremium abwarten werde. Laut „Foreign Policy“ warf der saudische Botschafter bei den UN, Abdallah al-Mouallimi, warf UN vor, Israel vor einem Jahr bei vergleichbaren Vorwürfen von der Liste entfernt zu haben, nicht aber sein Land. Die UN hätten bei der Entfernung Israels von der Liste 2015 „Weisheit“ an den Tag gelegt, und sollten es auch 2016 bei Saudi-Arabien tun.

Nach der erfolgreichen Intervention erklärte Mouallimi laut „Foreign Policy“ vor Reportern, Saudi-Arabien und seine militärische Koalition im Jemen-Krieg seien nun „klar rehabilitiert“. Die Entscheidung, sein Land von der Liste zu nehmen, sei „unumkehrbar und bedingungslos“.

UN-Sprecher Stephane Dujarric hielt allerdings laut Reuters an der Lesart fest, die Entscheidung könne auch noch rückgängig gemacht werden.

Zu dem von Saudi-Arabien angeführten Bündnis im Jemen-Krieg gehören laut einer CNN-Übersicht (Stand: März 2015) Marokko, Ägypten, Jordanien, Kuwait, Bahrain, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie der Nordsudan.

Ban Ki-Moons Amtszeit endet voraussichtlich Ende des Jahres. Ihm wird laut dem südkoreanischen Auslandsrundfunk KBS Interesse am Präsidentenamt in seinem Heimatland nachgesagt.  Zu diesem Eindruck hatte Ban Ki-moon selbst mit Bemerkungen beigetragen, die auf Interesse seinerseits schließen lassen:

Auf die Frage, ob er nicht zu alt für die Präsidentschaft sei, sagte der 71-Jährige, dass er nie wegen Krankheit am Arbeitsplatz gefehlt habe,

so KBS in einer früheren Meldung.

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About Auerbach

Australian-German artist-designer-publisher, with a passion for politics, currently based in Frankfurt and London. Covering a wide range of artistic production in the Visual Arts - exhibitions, design, curatorial. Zylvia has designed several publications for major art book publishers.

One response to “Morning Roundup: Der Ball ist rund …”

  1. Auerbach says :

    Hat dies auf montagfrei rebloggt.

    Gefällt mir

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