IAAF-Rat verlängert Suspendierung russischer Mitgliedschaft, Präsident Putin hofft auf Neuentscheid durch IOC

Das russische olympische Komitee (ROC) veröffentlichte am 13. Juni eine Zusammenfassung der Kooperation des Komitees mit der World Anti-Doping Agency (WADA) und der International Association of Athletics Federation (IAAF), vom November vorigen Jahres bis zum laufenden Monat. Verfasser ist offenbar der Vorsitzende des Koordinationskomitees des ROC für den Wiedereintritt russischer Athleten in die IAAF, Gennady Aleshin. Die Zusammenfassung hat die Form eines Interviews.

Offenbar eine der Kernaussagen:

Ich würde Ihre Aufmerksamkeit gerne hierauf lenken. Es war die IAAF [International Association of Athletics Federations], die die Kriterien für die Zulassung unserer Athleten in internationalen Wettbewerben definierte, inklusive der Anzahl der vorgeschriebenen [Doping-]Tests. Athleten, die alle durch die von der Internationalen Federation aufgestellten Auswahlkriterien erfüllen, sind so zu sehen, dass sie die Kriterien erfüllt haben. Ihre Nichtzulassung zu den Olympischen Spielen in diesem Fall ist eine Verletzung der Regeln der Olympischen Charta und der IAAF. Wenn die Athleten in ihrer „Sauberkeit“ bestätigt werden, auf welcher Basis werden sie dann ihres Rechtes beraubt, an den Olympischen Spielen teilzunehmen? Auf religiöser, politischer, gesellschaftlicher, rassischer Basis?

Und wenn Athleten „sauber“ sind, und daran kann nach über 500 negativen Tests nicht gezweifelt werden, dann sollten sie, theoretisch, von den internationalen Institutionen auch als solche betrachtet werden. Zusammen mit all den anderen „sauberen“ Athleten, die ohne alle besonderen Bedingungen oder Einschränkungen zu den Spielen zugelassen wurden. Sonst ist es offensichtliche Diskriminierung.

Russland habe die Wiederherstellungsbedingungen nicht erfüllt, stellte gestern (am Freitag) der Rat des IAAF in seiner 204. Sitzung fest, die in Wien stattfand.

Rune Andersen, als Vorsitzender der IAAF Task Force zur Überwachung der Prüfverfahren gab dem Rat vier [entweder in der task force oder aber im Rat – für mich als Leser nicht erkennbar] einstimmig gefasste Empfehlungen, so die Mitteilung des IAAF:

Die erste Empfehlung ist, dass die Mitgliedschaft der RusAF derzeit nicht wiederhergestellt werden sollte, weil mehrere wichtige Prüfkriterien nicht erfüllt wurden, insbesondere:

  • Die tief sitzende Toleranzkultur (oder schlimmer) gegenüber Doping, die überhaupt zur Suspendierung der RusAF führte, scheint sich nicht grundlgend geändert zu haben
  • Eine starke und wirksame Anti-Doping-Infrastruktur, die in der Lage dazu wäre, Doping zu entdecken und abzuschrecken, wurde immer noch nicht geschaffen
  • Es gibt detaillierte Vorwürfe, zum Teil bereits belegt, dass die russischen Behörden, weit davon entfernt, die Anti-Doping-Bemühungen zu unterstützen, systematisches Doping und die Verschleierung ungünstiger Analyseergebnisse orchestriert haben

Die Entscheidung, RusAF nicht wieder zuzulassen, bedeutet, dass die russischen Athleten unter IAAF-Regeln für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben wie den Europäischen Meisterschaften und den Olympischen Spielen 2016 in Rio nicht zugelassen sind.

Die zweite Entscheidung ist, dass, für die Dauer der Suspendierung der RusAF, keine Vertreter der RusAF (d. h. Offizielle, Unterstützungspersonal für die Athleten, usw.) an internationalen Wettbewerben oder an den Angelegenheiten der IAAF teilnehmen sollten.

IAAF-Präsident Sebastian Coe sagte in einem Kommentar zu der Entscheidung: „Obwohl gute Fortschritte gemacht wurden, war der Rat darin einer Meinung, dass RusAf die Wiederherstellungsbedingungen nicht erfüllt hat, und dass russische Athleten nicht glaubwürdig in den internationalen Wettbewerb zurückkehren können, ohne das Vertrauen ihrer Wettbewerber und der Öffentlichkeit zu untergraben. Daher wird die Mitgliedschaft der RusAF derzeit nicht wiederhergestellt.“

Rune Andersen, unabhängiger Vorsitzender der IAAF Taskforce, sagte: „Damit russische Athleten wieder in den internationalen Wettbwerb aufgenommen werden können, muss RusAF zeigen, dass es nun eine Kultur der Null-Toleranz gegenüber Doping in der russischen Athletik gibt und dass RusAF, RUSADA und die Behörden in Russland in ihrer Zusammenarbeit eine Anti-Doping-Infrastruktur geschaffen haben, die wirksam Betrug entdeckt und abschreckt, und somit sauberen Athleten, sowohl in Russland als auch außerhalb, angemessenen Schutz und angemessene Gewissheit verschafft.“

Der IAAF-Rat verabschiedete heute [also am Freitag] einen Regelzusatz (die dritte Empfehlung), des Inhalts dass, wenn es einzelne Athleten gibt, die klar und überzeugend zeigen können, dass sie nicht vom russischen System behaftet sind, weil sie sich außerhalb des Landes aufhielten und anderen, wirksamen Anti-Doping-Systemen unterstanden, inklusive wirksame Medikamententests, dann sollten sie die Erlaubnis zur Teilnahme in internationalen Wettbewerben beantragen können, nicht für Russland, sondern als neutrale Athleten.

Die vierte Empfehlung ist, dass jedweder Athlet, der einen außerordentlichen Beitrag zum Kampf gegen Doping im Sport geleistet hat, ebenfalls eine solche Erlaubnis beantragen können sollte. Insbesondere Yuliya Stepanovas Angelegenheit sollte positiv erwogen werden..

Alle vier Empfehlungen wurden vom Rat einstimmig angenommen.

Der IAAF-Präsident Sebastian Coe fügte hinzu: „Der Rat nahm die Empfehlungen einstimmig an und sendete damit ein sehr klares Signal an Athleten und Öffentlichkeit, hinsichtlich unserer Absicht, unseren Sport zu reformieren. Ich bin außerdem stolz darauf, dass der Rat die Empfehlung angenommen hat, Yuliya Stepanovas Antrag entsprechend diesem Regelzusatz so bald wie möglich an ein angemessenes Gremium weiterzuverweisen. Mit der Unterstützung der Taskforce werden wir weiter mit der RusAF an der baldestmöglichen Wiederzulassung russischer Athleten zusammenarbeiten.“

Bei Yuliya Stepanovas Angelegenheit handelt es sich offenbar um eine Art Whistleblower-Regelung.

Laut einer Onlinemeldung der russischen Nachrichtenagentur TASS hofft Russlands Präsident Putin nun auf eine Absage des Internationalen Olympischen Komitees an den Ratsbeschluss, zugunsten der russischen Athleten.

„Natürlich ist [die Ratsentscheidung] unfair,“ sagte Putin bei einem Treffen mit den Vorstandschefs der global führenden Nachrichtenagenturen, welches von TASS am Rand des Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums organisiert worden war. Er kommentierte die Entscheidung des IAAF. Er sagte, die Verantwortung für die Anwendung von Doping solle personfiziert werden, wohingegen die Bestrafung aller russischer Athleten „in keinerlei Rahmen für zivilisiertes Verhalten passt.“

[…]

Er unterstrich, die Situation mit der IAAF „bedeutet nicht, dass wir nun beleidigt sind und sagen, wir würden auch nicht mehr gegen Doping kämpfen.“

„Im Gegenteil werden wir unseren Kampf gegen das Doping verstärken,“ sagte der russische Präsident, der daran erinnerte, dass Russlands Strafverfolgungsbehörden bereits alle Presseberichte zu der Angelegenheit zur Prüfung verwendeten.

In seiner Kommentierung der IAAF-Entscheidung erinnerte Putin auch daran, dass Dopingtests russischer Athleten durch ausländische Spezialisten durchgeführt wurden, welche die Proben in ausländischen Laboren untersuchten.

Der russische Präsident erwähnte auch die Situation mit Meldonium und hob hervor, die Substanz verschaffe bei Wettbewerben keine Vorteile „und wurde noch nie als Doping aufgefasst“.

„Es ist weithin bekannt, dass Meldonium auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion erfunden wurde und fast ausschließlich von Athleten Osteuropas verwendet wird. Das weiß jeder. Aber sie griffen sich dieses Medikament heraus,“ sagte Putin und fügte hinzu, niemand habe getestet, wie schnell Meldonium den menschlichen Organismus verlässt. Er nannte die Entscheidungen, Meldonium zu verbieten, „voreilig“.

Der TASS-Artikel endet mit der Bemerkung, das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei berechtigt, russischen Athleten die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio zu erlauben.

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One response to “IAAF-Rat verlängert Suspendierung russischer Mitgliedschaft, Präsident Putin hofft auf Neuentscheid durch IOC”

  1. Auerbach says :

    Hat dies auf montagfrei rebloggt.

    Gefällt mir

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