Morning Roundup: Welt aus den Fugen

An eine Woche, ähnlich durchsetzt mit Gewalt wie diese, kann ich mich nur schwer erinnern. Flankiert von zwei Attentaten – dem Mord an Mitgliedern der LGBT-Community in Orlando und einem weiteren an der politischen Hoffnungsträgerin der Britischen Labour Regierung (R.I.P. Jo Cox) [siehe Sofortbilds Morning Roundup v. 14.06.16 von JR; ebenso Thin line between love & hate von J.(Mundfunk) zum Orlando Shooting] – eine Woche, in der dann an den Tagen in Folge dieser erschütternden Tragödien, abwechselnd Massengewalt nationalistischer Fußballfans, rassistische Übergriffe auf wehrlose Flüchtlinge oder auch Polizeigewalt gegen Demonstranten die Nachrichten dominierten. In immer schnellerer Abfolge passiert das Unbegreifliche. Was ist los mit der Welt, fragt man sich? In stetig zunehmender Geschwindigkeit scheint sie sich hinein zu drehen, in einen Strudel der Gewalt und des Hasses.

»Es findet eine Privatisierung des Krieges statt, die bis in den Haushalt hineinreicht«, sagt der Philosoph Franco Berardi.  In seinem lesenswerten Interview mit dem Wiener Standard, »Die Kultur ist das Ziel des Krieges«, spricht Berardi über den Terror in Orlando, den Hass der Reaktionären und warnt vor einer Art des weltweiten Bürgerkrieges. Der am Ende in eine Form des Faschismus mündete, so Berardi. Er zitiert u. a. die Weihnachtskarte der US Abgeordneten Michele Fiore.

»Meine Analysen können apokalyptisch wirken, aber ich muss nicht das letzte Wort haben. Junge Leute, die in den Staaten für einen alten Sozialisten stimmen – das ist ein ironisches Ereignis. Ironie ist aber auch eine Strategie des Überlebens. In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Form der identitären Aggression erleben – ich verwende das Wort Faschismus nicht, aber ich denke, es ist etwas sehr Ähnliches. Ironie ist eine der Fluchtlinien.« (Franco Berardi im Interview mit Dominik Kamalzadeh, der Standard 15.6.2016)

 

 +++ Échauffements in Kürze +++ heute by JR

Wissensbasierte Wirtschaft

Der geehrte Parteivorsitzende und Oberbefehlshaber Kim Jong-un besucht eine Speisestärkefabrik in der nordkoreanischen Hauptstadt Pyongyang. Die Tonspur zu den Bildern wurde gestern vom Kurzwellensender „Voice of Korea“ verbreitet.

Da es in der Stärkefabrik einen Raum zur Erziehung in revolutionärer Geschichte gab, knallte es auch nicht, anders als im Frühjahr 2015 – einem Bericht der Parteizeitung „Rodong Sinmun“ zufolge – auf der Taedonggang Sumpfschildkrötenfarm, die angeblich auch keine Schildkrötenbabys auf die Beine stellte.

Gerüchtebasiert wurde der Leiter der Farm kurz nach dem hohen Besuch erschossen.

Deutschland und Europa: „Kulturschutzgesetz“

Einem noch in Arbeit befindlichen Weißbuch zur Sicherheitspolitik und Zukunft der Bundeswehr zufolge sollen für die deutschen Truppen zukünftig auch EU-Ausländer rekrutiert werden, berichtet die „Welt am Sonntag“. Das „wäre auch ein starkes Signal für eine europäische Perspektive“, zitiert die WAMS das Weißbuch.

Da grüßt das römische Weltreich. Fragt sich nur, wer hier Kaiser ist.

Aber eins ist klar: die Kunst bleibt in Deutschland. Sonst könnte hier ja jeder kaufen.

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About Auerbach

Australian-German artist-designer-publisher, with a passion for politics, currently based in Frankfurt and London. Covering a wide range of artistic production in the Visual Arts - exhibitions, design, curatorial. Zylvia has designed several publications for major art book publishers.

3 responses to “Morning Roundup: Welt aus den Fugen”

  1. Auerbach says :

    Hat dies auf montagfrei rebloggt.

    Gefällt 1 Person

  2. Auerbach says :

    Das Kim Jong-un Facelifting Factory video ist so schräg. Man könnte direkt eine Doktorarbeit über »Parallelen der Staatsführung der späten Brüsseler EU und Nordkorea« schreiben. Merke: The truth between the lines. It’s never what, they say it is. Not what you’re told, is what you get.

    Gefällt 1 Person

    • justrecently says :


      Man könnte direkt eine Doktorarbeit über »Parallelen der Staatsführung der späten Brüsseler EU und Nordkorea« schreiben.

      Ich wollte gerade in Heinrich’scher Manier dazuschreiben, „… und man tut es.“ Aber das wäre gelogen. Ich wüsste jedenfalls nicht, wo.

      Aber die scheinbar absurden Stories aus der post-stalinistischen Morgenstille (oder auch aus China) sind insofern relevant, als Herrschaftsverhältnisse, von außen oder als „fremde“ Verhältnisse betrachtet, schneller ins Auge springen als die zu Hause, und von da aus für die Verhältnisse zu Hause sensibilisieren können.

      Zur Not auch ohne Doktorarbeit. Wobei, wenn jemand eine kennt, please let me know.

      Gefällt 1 Person

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