TERROR-ANGST: Katze trägt Sprengstoffgürtel

Presseschau in Europe

Presseschau

Augenmaß? Fehlanzeige. Auch die BBC, die sich einmal etwas auf ihre nüchterne Haltung zu Gute hielt, schwelgt im Blut und Elend der Toten und Schwerverletzten von Nizza. Das liest sich so:

In Bildern: Anschlag in Nizza
Die Hölle ist losgebrochen
Du konntest die Angst in den Gesichtern der Menschen sehen
Es war totales Chaos

Etc. Man kennt das ja aus den Medien zu Hause. Noch jemand ohne Angst? Hier werden sie geholfen.

Klassische Kriege gingen irgendwann zu Ende – mit Sieg und Niederlage, oder nur mit Verlierern.

Auch die inneren Konflikte in den arabischen und europäischen Ländern – zugegeben mit unterschiedlichen Tiefen der Zerstörungskraft – werden nicht ewig dauern. Die Frage ist nur, wie lange sie andauern werden, und auf welche Weise sie enden.

Die Antwort des französischen Präsidenten auf den Anschlag von Nizza bestand darin, den Ausnahmezustand um drei Monate zu verlängern, anstatt ihn, wie ursprünglich geplant, aufzuheben. (Passend dazu, für die arabische Nachbarschaft östlich des Mittelmeers: Macht und Militäraktionen in Syrien.)

Vielleicht meinte der französische Präsident, aus technischen oder politischen Gründen keine andere Wahl zu haben. Aber es ist die falsche Wahl. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Machtkonzentration, zu Lasten der Grundrechte. Eine offene Gesellschaft aber braucht die Grundrechte – nicht schriftlich, sondern praktiziert – wie die Luft zum Atmen.

Was eine offene Gesellschaft außerdem braucht: die Bereitschaft, ein – unter Umständen erhebliches – Maß an Gewalt auszuhalten, sie mit möglichst viel Fassung und möglichst wenig heißer Luft zu ertragen. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ein Mensch versehentlich eine Karambolage auf der Autobahn auslöst, oder ob er sich mit der Absicht zum Massenmord ans Steuer eines Fahrzeugs setzt. Aber man ahnt die flächendeckende Antwort auf Variante 2: im Auto der Zukunft gibt der Fahrer, pardon, Fahrgast, seine Strecke ein, und das Auto übernimmt. Eingreifen des Ex-Fahrers ausgeschlossen. Bei verdächtigen Eingaben ins GPS-System verriegelt sich der Wagen automatisch und ruft die Bullen.

Denn nichts ist gefährlicher als ein Fahrer – egal, wie wenige Meter odder wie viele Tausend Kilometer von dir entfernt.

Der Bürger ist gefährlicher als ein Hund oder eine Katze. Darum hat er als schuldig zu gelten, so lange er nicht das Gegenteil bewiesen hat: dass er nichts zu verbergen habe. Und wenn’s dann erreicht und der Bürger gläsern ist, trägt die Katze Sprengstoffgürtel und muss ebenfalls überwacht werden.

Eine Übertreibung? Nein. Wir sind zwar noch nicht an diesem schlechten Ziel angekommen, aber wir sind auf dem Weg, und wir kennen nur noch eine Richtung: den Polizeistaat.

Wenn wir nicht aufhören, uns selbst Angst zu machen, werden wir das schlechte Ziel erreichen.

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About justrecently

Blogging about China - the economy, politics, and society. Translating Chinese press articles into English. Making Net Nanny talk.

One response to “TERROR-ANGST: Katze trägt Sprengstoffgürtel”

  1. Auerbach says :

    Hat dies auf montagfrei rebloggt.

    Gefällt mir

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