Gewalt– aus Mangel an Empathie?

empathie

Massenmord, IS, lachend auf Gegner einschlagende ‚Erdoğan- Demokraten‘. Dabei möchte die Verfasserin sich nur noch mürrisch-zur Kenntnis-nehmend ihrem Alltag widmen.

Aus aktuellem Anlass ein Gastbeitrag von der Freitag Autorin und Bloggerin Anne Mohnen

 

WISSEN. Menschen schlagen zu, werden kriminell, gar Massenmörder. Die Motive mögen vielfältig sein. Jedoch die Ursache dafür sei oftmals, dass sie weder sehen noch spüren, was sie anderen (und sich) damit antuen. Jedenfalls ist das die gängige Meinung von Fachleuten. Infolgedessen laufen auch hierzulande Maßnahmen, Gewalttäter einschließlich Totschläger, Vergewaltiger in Empathie zu trainieren. Ob es hilft, ist keineswegs bewiesen.

Inzwischen werden sogar die Prämissen in Zweifel gezogen. Der Sozailpsychologe David Vachon und seine Co-Autoren haben 86 Studien ausgewertet. Überprüft wurde, ob Aggression und Empathie zusammenhängen.

Die Psychologen unterscheiden dabei zwei Varianten von Empathie. Bei der einen geht es darum, ob Menschen gedanklich verstehen, was in anderen vorgeht. Es stellt sich heraus, dass die Fähigkeit, sich in andere gedanklich zu versetzen, keineswegs dazu führt, friedlich zu bleiben. Das überraschte die Wissenschaftler nicht wirklich. Erstaunt hingegen waren die Wissenschaftler darüber, dass es wohl kaum darauf ankommt, ob jemand Mitgefühl für andere empfindet.

Dieser Befund sei ausgesprochen beunruhigend angesichts der bedeutenden Rolle, die Empathie derzeit bei der Diagnose von Aggressionsstörungen, der vorausschauenden Einschätzung möglicher Gefährlichkeit und der Behandlung von Straftätern spiele, fassen Vachon et al. alarmierend ihre Auswertungen zusammen.

Muss fehlende Empathie allein noch kein Problem evozieren, so zeigen erste Forschungsergebnisse: Menschen werden gefährlich, wenn ihnen die Gefühle anderer Menschen nicht bloß egal sind, vielmehr wenn sie andere gerne leiden sehen.

Literatur: Vachon, D.D., Lynam, D.R., & Johnson, J.A. (2014). The (non)relation between empathy and aggression: Surprising findings from a meta-analysis. Psychological Bulletin, 140, 751-773.

 

ANNE MOHNEN, Juli 2016

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About Auerbach

Australian-German artist-designer-publisher, with a passion for politics, currently based in Frankfurt and London. Covering a wide range of artistic production in the Visual Arts - exhibitions, design, curatorial. Zylvia has designed several publications for major art book publishers.

One response to “Gewalt– aus Mangel an Empathie?”

  1. Auerbach says :

    Hat dies auf montagfrei rebloggt.

    Gefällt mir

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