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Was ist Arbeit wert?

OxfordLitFest

»We mustn’t allow ourselves to drift into a situation where only the already-wealthy can afford to be writers, and so it’s time to rebalance the scales a little

 

KÜNSTLERHONORARE. Sommer. Sonne. Kultur boomt. Der Verwaltungsapparat wächst, neue Administraltionsjobs sprießen schneller aus der Kultureventflut, als es britischen Konservativen gelingt, Anwärter auf das Premierministeramt medial zu erdolchen. Kultur für alle. »Künstler«, ist das Zauberwort. Open-Air Lesungen und Festivals, pittoresk eingebettet zwischen historischen Ortschaften und herrschaftlichem Schlossambiente sind oft millionenschwere Veranstaltungsevents, die nach eigenem Bekunden Künstlern dabei »helfen, Öffentlichkeit für ihre Arbeit zu generieren«. Nur, dass die Autoren und Künstler in vielen Fällen entweder schlecht oder überhaupt gar nicht für ihre Dienstleistungen vor Ort bezahlt werden.

Die Gewerkschaft Verdi empfiehlt, dass Autorinnen/Autoren für eine Lesung mit anschließender Diskussion ein Honorar in Höhe von 300 Euro erhalten. Allein die Realität sieht anders aus.

In den vergangenen Tagen wurde viel über England berichtet. Ungeachtet der sich vor unser aller Augen abspielenden #BREXIT-Farce wird auf der Insel seit einem halben Jahr heftig, vor allem aber konstruktiv, über Künstler- und Autorenhonorare gestritten.

Im Januar schmiss der Britische best-selling Kinderbuchautor Philip Pullman („Dark Materials“ und „Golden Compass“) nach 10 Jahren seinen Job beim Oxford Literary Festival – einem der größten und ältesten seiner Art – mit den Worten hin: »Because of the Oxford Literary Festival’s attitude to paying speakers (they don’t) I can’t remain as a patron any longer. I’ve resigned.«

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Reading List

Bücherstapel

 

»Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.«

Wie lässt sich der Wert kreativer Arbeit messen? Was ist künstlerische Arbeit überhaupt wert?

Für den Anfang an dieser Stelle eine politische Leseliste, mit Dank an die New Yorker Künsterorganisation WAGE FOR WORK.

Über Anregungen und Ergänzungen freuen wir uns,

Euer Sofortbild-Blog Team

 

A

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Morning Roundup: Bedrohte Zukunft

 

BERLIN. In einem offenen Brief spricht sich die Belegschaft der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gegen den neuen Intendanten, den Kurator und jetzigen Direktor der Tate Modern, Chris Dercon aus:

„Dieser Intendantenwechsel ist keine freundliche Übernahme. Er ist eine irreversible Zäsur und ein Bruch in der jüngeren Theatergeschichte, während der die Volksbühne vor der Umwidmung in ein Tanz- und Festspielhaus bewahrt werden konnte. Dieser Wechsel steht für historische Nivellierung und Schleifung von Identität. Die künstlerische Verarbeitung gesellschaftlicher Konflikte wird zugunsten einer global verbreiteten Konsenskultur mit einheitlichen Darstellungs- und Verkaufsmustern verdrängt.“

 

Den Intendantenwechsel im kommenden Jahr begleitet die Sorge um Einsparungen, Stellenabbau und die Abschaffung ganzer Gewerkschaften. Zu den Unterzeichnern gehören u. a. die Schauspieler Sophie Rois, Birgit Minichmayr und Martin Wuttke sowie weitere prominente Theaterschaffende wie Carl Hegemann, Anna Viebrock und René Pollesch. Die Neuausrichtung der Volksbühne dürfe nicht um den Preis „der Abwicklung künstlerischer Standards und gewachsener Kooperationen“ vorgenommen werden.

Das kritisierte, interdisziplinär ausgerichtete Konzept des zukünftigen Intendanten Chris Dercon wurde im Sommer 2015 an der Volksbühne von Dercon zusammen mit dem Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner präsentiert.

Hintergründe – Reaktionen in den Medien:

 

BrotundSpiele

Theater oder Kunst? Oder bloß politischer Aktivismus?

Die Frage wirft das Zentrum für Politische Schönheit (@Politicalbeauty) regelmäßig auf. Not und Spiele heißt die neue Kunstaktion in der für »Flugbereitschaft« geworben wird. Prominente Stimmen sprechen sich für eine Gesetzesänderung aus.

Der Auftritt der syrischen Schauspielerin May Skaf bei der Aktion »Flüchtlinge fressen« am Maxim Gorki Theater in Berlin (Sofortbild berichtete im Morning Roundup v. 17.06.2016) verspricht großes Drama: »Binnen acht Tagen eine fluchtfreundliche Politik einzuleiten, anderenfalls werde sie sich den Tigern zum Fraß vorwerfen«, so lautet ihr Ultimatum an die Bundesregierung.

»Gerade indem die Schauspielerin ganz im Spiel ihrer Inszenierung blieb und damit die Unterscheidung von Fiktion und Wirklichkeit betonte, gelang ihr etwas Eigentümliches. […] »Die Kunst relativierte sich selbst, ohne einen Zweifel daran zu lassen, dass die grausame Realität, auf die sie mit erklärtermaßen erpresserischen Mitteln den Blick gelenkt hatte, weiter bestehen bleibt.« Mark Siemons, FAZ

In der FR hingegen betont Arno Widman die Theaterhaftigkeit der Aktion

„Bundeserpressungskonferenz“ein Theater, das immer auch Politik ist, ein Theater also, das Inhumanität beseitigen und Humanität fördern möchte. Es macht das mit drastischen Mitteln. Es weiß, dass der Erkenntnis, damit sie uns wirklich erfasst, der Schock vorangehen muss darüber, dass wir die Wirklichkeit nicht erkannt, nicht gesehen, systematisch ausgeschlossen hatten.“

 

+++ UPDATE +++ [14:53 Uhr] by __Auerbach

Für alle, denen die Kunstaktionen des Zentrum für politische Schönheit (ZPS) einfach etwas zu slick sind: Wichtige kritische Stimmen zur Aktion des ZPS kommen vom Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich und von dem Künstler Wolfgang Müller (Tödliche Doris).

In seinem Essay für das online Kulturmagazin  Perlentaucher »Kunst und Flüchtlinge: Ausbeutung statt Einfühlung« analysiert Wolfgang Ullrich medienwirksame Kunstaktionen Aktionen berühmter Künstler wie Olafur Eliasson, Ai Weiwei oder das »Zentrum für Politische Schönheit«. Sie machten »den Zuschauern verschiedene, nach Intensität gestaffelte Angebote, auf dem Rücken der Flüchtlinge ihre Seelen zu bereichern und ihre »Großgesinntheit« unter Beweis zu stellen. Einwand gegen eine Ästhetik des guten Gewissens.« Der Essay in voller länge, hier.

Wolfgang Müller beleuchtet das Phänomen in Moralische Reinheit? Zentrum für politische Schönheit und Christoph Schlingensief.

Das Zentrum für politische Schönheit setzt den christlichen Erlösermythos vielleicht in einer etwas aggressiveren Variante fort. Zum Erlösermythos zählt auch die nichtgestellte Frage der eigenen Berufung. Wer beruft eigentlich die, die sich für berufen halten? „Grundüberzeugung ist, dass die Lehren des Holocaust durch die Wiederholung von politischer Teilnahmslosigkeit, Flüchtlingsabwehr und Feigheit annulliert werden und dass Deutschland aus der Geschichte nicht nur lernen, sondern auch handeln muss.“ Dass ex-taz-Chefredakteurin Ines Pohl das Öffentlich-machen der Flüchtlingsleichen gegen Vorwürfe des Zynismus verteidigt, passt zum Konzept der kleinsten deutschen Boulevardzeitung, die dem Inhalt und der Moral immer eine so große Bedeutung zusprach, dass darüber die Form, die Gestalt vernachlässigt wurde. Ines Pohl landete bei der „Deutschen Welle“. Wolfgang Müller, Berliner Gazette 10.082015

 

Gedenktag zweiter Klasse

Vor 75 Jahren überfiel Deutschland die Sowjetunion. In den Worten Joachim Gaucks, der vor gut einem Jahr an die Verbrechen an den sowjetischen Kriegsgefangenen erinnerte, die in Deutschland „aus mancherlei Gründen […] nie angemessen ins Bewusstsein gekommen“ seien:

Wenn wir betrachten, was mit den westalliierten Kriegsgefangenen geschah, von denen etwa drei Prozent in der Gefangenschaft umkamen, dann sehen wir den gewaltigen Unterschied: Anders als im Westen war der Krieg im Osten vom nationalsozialistischen Regime von Anfang an als ein Weltanschauungs- und Vernichtungs- und Ausrottungskrieg geplant – und in der Regel auch geführt, denken wir zum Beispiel an diese schreckliche jahrelange Belagerung Leningrads mit dem Ziel des Aushungerns einer Millionenstadt.

Das „Beijinger Abendblatt“ wertete Gaucks Rede seinerzeit als erneuten Beleg für ein verantwortungsbewusstes und geläutertes Deutschland – das war in einer Linie mit der amtlichen chinesischen Sicht auf Deutschland.

Aber die Sache hat einen Haken. Es gab in den vergangenen Jahren außer Gaucks Rede keine vergleichbar deutliche Erinnerung aus der Bundespolitik an die Dimensionen des Vernichtungskriegs „im Osten“. Der Bundestag wird heute nachmittag um 16:30 Uhr über den 75. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion „debattieren“. Eine Vereinbarte Debatte wie diese, so die „Berliner Zeitung“, ist protokollarisch niedriger eingestuft als eine Gedenkstunde.

Eine Botschaft, die nicht deutlich wahrnehmbar wiederholt wird, wird vergessen. Es ist eine Frage des politischen Willens, ob die Öffentlichkeit sich erinnert, oder ob sie vergisst. Die Bereitschaft zum Erinnern – oder zum Vergessen – drückt sich in der Häufigkeit oder Seltenheit aus, mit der die Erinnerung erneuert wird.

„Verordnetes Vergessen“ konstatiert Sevim Dagdelen, Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, in „Neues Deutschland“. Ihr Fazit:

Geschichtsvergessenheit gehört zum Instrumentenkasten einer aggressiven deutschen Außenpolitik von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier (SPD) gegen Russland.

Aber dieses „Vergessen“ muss niemand verordnen. Es geht ja nicht darum, etwas zu tun, sondern darum, etwas zu unterlassen: das Erinnern.

Das ist in Fällen wie diesen eine leichte Übung. Auf die wohlwollende Mitwirkung einer allzeit schlussstrichbereiten Öffentlichkeit dürfen Politik und Massenmedien zählen.

Chinas und Nordkoreas „strategische Beziehungen“

Der südkoreanische Auslandsdienst KBS betrachtet Beijings Nordkoreapolitik – und Nordkoreas Chinapolitik. Auch hier geht es um „Erinnerungskultur“, aber um eine gemeinsame: wieviel Gewicht werden die beiden Seiten – protokollarisch – auf den 55. Jahrestag des nordkoreanisch-chinesischen Abkommens über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung legen?

 

Brexit-Befürworter überwiegen in Umfrage, viele Wählerregistrierungen

44 Prozent der befragten Briten in ener YouGov-Umfrage sind für einen Brexit; 42 dagegen. 46,5 Millionen Briten haben sich laut einer Meldung von Radio Japan für das Referendum registriert – der Meldung zufolge ein Rekord.

Ebenfalls laut Radio Japan wurde die Laufzeit der Registrierung um zwei Tage verlängert, weil eine Registrierungswebsite nicht richtig funktioniert habe.

Wem eine hohe Wahlbeteiligung eher nützt, wird aus der Reaktion der Brexit-Unterstützer auf diese Verlängerung erkennbar: „einige Parlamentarier“ sollen Premierminister David Cameron kritisiert und ihm vorgeworfen haben, er habe die Verlängerung zwecks Verbleibs des Vereinigten Königreichs in der EU angeordnet.

Korrekte Propaganda: dein Name sei „Partei“

Überwachung durch die öffentliche Meinung und korrekte Propaganda sind eins, dekretierte Chinas Partei- und Staatschef Xi Jinping – derzeit verreist – im Februar. Das „China Media Project“ in Hong Kong wirft einen Blick zurück auf den Umgang mit Widersprüchen zwischen Überwachung durch die Öffentlichkeit und korrekter Propaganda in den 1950ern.

1,2 Militär : Flüchtlingshilfe 0,03

Militärausgaben machen 1,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus – man müsse sich den 3,4 Prozent der USA annähern, befand Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern (am Dienstag) auf dem Wirtschaftstag der CDU.

Deutschlands Ausgaben für humanitäre Hilfe: 0,03 Prozent.

Morning Roundup: Welt aus den Fugen

An eine Woche, ähnlich durchsetzt mit Gewalt wie diese, kann ich mich nur schwer erinnern. Flankiert von zwei Attentaten – dem Mord an Mitgliedern der LGBT-Community in Orlando und einem weiteren an der politischen Hoffnungsträgerin der Britischen Labour Regierung (R.I.P. Jo Cox) [siehe Sofortbilds Morning Roundup v. 14.06.16 von JR; ebenso Thin line between love & hate von J.(Mundfunk) zum Orlando Shooting] – eine Woche, in der dann an den Tagen in Folge dieser erschütternden Tragödien, abwechselnd Massengewalt nationalistischer Fußballfans, rassistische Übergriffe auf wehrlose Flüchtlinge oder auch Polizeigewalt gegen Demonstranten die Nachrichten dominierten. In immer schnellerer Abfolge passiert das Unbegreifliche. Was ist los mit der Welt, fragt man sich? In stetig zunehmender Geschwindigkeit scheint sie sich hinein zu drehen, in einen Strudel der Gewalt und des Hasses.

»Es findet eine Privatisierung des Krieges statt, die bis in den Haushalt hineinreicht«, sagt der Philosoph Franco Berardi.  In seinem lesenswerten Interview mit dem Wiener Standard, »Die Kultur ist das Ziel des Krieges«, spricht Berardi über den Terror in Orlando, den Hass der Reaktionären und warnt vor einer Art des weltweiten Bürgerkrieges. Der am Ende in eine Form des Faschismus mündete, so Berardi. Er zitiert u. a. die Weihnachtskarte der US Abgeordneten Michele Fiore.

»Meine Analysen können apokalyptisch wirken, aber ich muss nicht das letzte Wort haben. Junge Leute, die in den Staaten für einen alten Sozialisten stimmen – das ist ein ironisches Ereignis. Ironie ist aber auch eine Strategie des Überlebens. In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Form der identitären Aggression erleben – ich verwende das Wort Faschismus nicht, aber ich denke, es ist etwas sehr Ähnliches. Ironie ist eine der Fluchtlinien.« (Franco Berardi im Interview mit Dominik Kamalzadeh, der Standard 15.6.2016)

 

 +++ Échauffements in Kürze +++ heute by JR

Wissensbasierte Wirtschaft

Der geehrte Parteivorsitzende und Oberbefehlshaber Kim Jong-un besucht eine Speisestärkefabrik in der nordkoreanischen Hauptstadt Pyongyang. Die Tonspur zu den Bildern wurde gestern vom Kurzwellensender „Voice of Korea“ verbreitet.

Da es in der Stärkefabrik einen Raum zur Erziehung in revolutionärer Geschichte gab, knallte es auch nicht, anders als im Frühjahr 2015 – einem Bericht der Parteizeitung „Rodong Sinmun“ zufolge – auf der Taedonggang Sumpfschildkrötenfarm, die angeblich auch keine Schildkrötenbabys auf die Beine stellte.

Gerüchtebasiert wurde der Leiter der Farm kurz nach dem hohen Besuch erschossen.

Deutschland und Europa: „Kulturschutzgesetz“

Einem noch in Arbeit befindlichen Weißbuch zur Sicherheitspolitik und Zukunft der Bundeswehr zufolge sollen für die deutschen Truppen zukünftig auch EU-Ausländer rekrutiert werden, berichtet die „Welt am Sonntag“. Das „wäre auch ein starkes Signal für eine europäische Perspektive“, zitiert die WAMS das Weißbuch.

Da grüßt das römische Weltreich. Fragt sich nur, wer hier Kaiser ist.

Aber eins ist klar: die Kunst bleibt in Deutschland. Sonst könnte hier ja jeder kaufen.

Morning Roundup: Supertrumps Nordkoreapolitik, Je ärmer der Brite

Trump: Druck auf China, Reden mit Kim

Als Präsident würde Donald Trump den nordkoreanischen Staats- und Parteichef in die USA einladen. Sagte er vorgestern. Aber vielleicht sagte er das auch nur, weil er es vor vier Wochen schon einmal gesagt hatte:

I would speak to him, I would have no problems speaking to him, at the same time, I would put a lot of pressure on China, because economically, we have tremendous power over China, people don’t realize that. They are extracting vast billions of dollars out of our country, billions …

Reuters: But you said you’d talk to Kim?

Trump: Sure, I would speak to him, I have no problems speaking to him.

Offenbar war er in den Monaten seit Februar zu dem Schluss gekommen, dass man Kim Jong-un womöglich doch nicht so ohne weiteres …

… verschwinden lassen könne.

Und weil sie (amer./engl.: they, also das Establishment, also zum Beispiel Reuters und Hillary Clinton) so darüber gelacht oder geschimpft oder nochmal irgendwie komisch nachgefragt hatten, zeigte Trump, dass er Außenpolitik mit Kontinuität meint, so wie alle Profis, und anders als Amateure wie Hillary Clinton:

There’d be a chance of ten percent or twenty percent that I can talk him out of those damn nukes, because who the hell wants him to have nukes, and there is a chance! I’m going to make a good deal for us. But there is a chance! … It’s called opening a dialogue.

 

Andererseits wird aus dem Treffen mit Kim Jong-un vermutlich doch nichts, sagte er gestern, und machte sich daran, die Servietten bei den Staatsbanketten im Weißen Haus zu zählen.

Ungefähr so wie hier, aber mit dem Unterschied, dass es in ein paar Monaten vielleicht kein Film mehr ist.

Was Beijing von Trumps „Druck“ hält, hat es jedenfalls schon mal angedeutet: am ersten Juni traf der chinesische Partei- und Staatschef zum erstenmal seit 2013 einen ranghohen nordkoreanischen Politiker, Ri Su-yong.

Von Chinas Standpunkt her gesehen, wenn sein Aufstieg unweigerlich mit den USA kollidiert, warum sollte dann Beijing Washington und Seoul [bei den Problemen mit Nordkorea] helfen, wenn das [Chinas] eigenen geopolitischen Interessen zuwiderläuft?

schrieb Lee Seong-hyon, Mitarbeiter der südkoreanischen Denkfabrik Sejong Institute, einem Bericht der „SCMP“ zufolge auf „Facebook“.

Supertrump

Spaß beiseite, eigentlich wird es eine wunderschöne Präsidentschaft, zumindest für eine Weile:

P.S.: Diese Produktion (mit nordkoreanischen Besonderheiten) kommt nicht aus Japan, sondern aus Kalifornien. Weltpopkultur, Weltpräsident, Weltuntergang.

Brexit oder nicht: eine Generationenfrage

Je älter und ärmer der Brite, desto Brexit, notiert Aussie, ein Blogger auf der Plattform des „Freitag“, der sich gerade in Nordwestengland aufhält.

Den zornigen Briten den Brexit ausreden möchten demnach

Obama, und die Damen Merkel und Lagarde, die Herren der zweiten Reihe, Tusk, Junker, Schaeuble und natuerlich auch Cameron und seine City-Claqueure.

Nur den chinesischen Partei- und Staatschef Xi Jinping hat Aussie vergessen. Dabei sieht der das mit dem etwaigen Brexit doch gar nicht anders als Obama.

Jo Cox, 1974 – 2016

Jo Cox, Abgeordnete des Wahlkreises Batley and Spen in West Yorkshire und Mitglied der Labour Party, starb gestern (Mittwoch) an den Folgen eines Attentats. Vor ihrem Abgeordnetenmandat war sie bei Oxfam für Strategieentwicklungen zuständig, war später eine der Mitglieder des Parlaments, die Jeremy Corbyn für die Parteiführung nominierten, und erklärte im vergangenen Monat, warum sie das mittlerweile bereue. Man müsse sich fragen, warum die Labour-Partei bei den Wahlen in Schottland, England und Wales Niederlagen habe verzeichnen müssen, trotz miserabler Leistungen der konservativen Regierung David Camerons.

Bei der Kampagne für den Verbleib Großbritanniens in der EU erwarteten sie und ihr Parteifreund Neil Coyle nunmehr von Corbyn, dass er die Partei wirklich führe.

Jo Cox hinterlässt einen Mann und zwei Kinder.

Polen und Deutsche – das Tandem der beleidigten Leberwürste

„Polen und Deutsche. Geschichten eines Dialogs“ sei eine Ausstellung des Museums für die Geschichte Polens in Warschau, ins Werk gesetzt vom polnischen Außenministerium und dem polnischen Parlament, so die „Welt“. Sie sei ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen solle, nämlich ohne Einbeziehung des Gesprächspartners.

Noch schlimmer aber sei, dass Lech Walesa, in den 1980er Jahren Führer der polnischen Opposition gegen die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei und später gegen das Militärregime, in der ganzen Ausstellung nicht ein einziges Mal erwähnt werde; dafür aber der 2010 bei einer missglückten Flugzeuglandung ums Leben gekommene Präsident Lech Kaczynski und die jetzige Ministerpräsidentin Beata Szydło, beide von der regierenden konservativen Partei PiS. Eine ‚“gewagte Behauptung“ über eine unvollständige Vertragstreue Deutschlands bei den Bestimmungen über Minderheitenrechte im Nachbarschaftsvertrag rundeten das Bild ab.

Wie genau der gedankliche Weg aussieht, auf dem der Artikel in seinem vorletzten Absatz zu seinem Fazit gelangt – [e]igentlich dürfte eine derart fragwürdige Darstellung im deutschen Parlament nicht gezeigt werden -, erschließt sich diesem Leser nicht.

Nur gut, dass Polen keine Komplexe hat. Dafür hat es aber einen deutschsprachigen Auslandsradiodienst, unter anderem auch (wieder) auf Deutsch. So kann man im Rahmen einer polnischen Presseschau auch gleich Stellung zu den Vorwürfen aus der deutschen Presse – und des auch bei der „Welt“ erwähnten Bundestagsabgeordneten und Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen – nehmen (lassen).

Der deutschsprachige Auslandsdienst – von der polnischen Vorgängerregierung „eingespart“ und seit dem Amtsantritt der PiS-Regierung mit einer Art wöchentlichem Gegendarstellungspodcast online, darf jetzt wieder täglich aktualisieren.

Wer die beim Thema Polen ziemlich verstrahlte deutsche Presse liest, tut gut daran, auch die eine oder andere Antwort darauf aus Polen zur Kenntnis zu nehmen. Nett wäre es allerdings, die Antworten des polnischen deutschsprachigen Auslandsradios kämen ohne ihre permanente Moment-mal-Attitüde aus. Entweder, die deutschsprachigen Radiomacher halten ihre Hörer für blöd, oder sie gehen davon aus, dass sie nur sehr wenig Zeit zum Nachdenken haben.

Man möchte Deutschland und Polen eine guten Austausch im Alltag wünschen – geschäftlich, kulturell, etc.. Auf der politischen und publizistischen Ebene geht das zur Zeit jedenfalls in die Hose.

 

+++ échauffements +++

+++ POLEN. +++ Auf einer Baustelle in Warschau sind Arbeiter aus Nordkorea beschäftigt. Polnische Medien sprechen von „Arbeitssklaven“. Menschenrechtsorganisationen vermuten, dass die Arbeiter einen Teil ihres Gehalts an den nordkoreanischen Staat abgeben müssen. Nord Korea http://www.deutschlandfunk.de/polen-streit-um-arbeiter-aus-nordkorea.795.de.html?dram:article_id=354501 +++ dieZeit dazu »Schuften für den Führer – Nordkoreas Diktator verkauft Zwangsarbeiter in die ganze Welt, damit sie ihm Devisen beschaffen – sogar nach Polen, mitten in die EU. http://www.zeit.de/2016/13/nordkorea-zwangsarbeiter-ausland-polen

 

+++ Update [12:08 Uhr] +++ Sommer, Sonne, Urlaubszeit …

__by Auerbach

+++ ATHEN. Kein Pool, keine Minibar, kein Roomservice und trotzdem DAS BESTE HOTEL EUROPAS. Was kommt zuerst? Das Leben der Geflüchteten? Oder das Privateigentum, das nicht genutzt wird? Während in London, Berlin und Frankfurt ganze Straßenzüge veröden und immer mehr Wohnraum seit Jahren einfach leer steht – Millionen Quadratmeter, renditeträchtige Spekulationsobjekte –, setzt sich die griechische Zivilgesellschaft zur Wehr. Mutige Menschen, zusammen gegen Obdachlosigkeit, besetzen leestehende Immobilien im Stadtzentrum Athens. Jetzt Doppelzimmer buchen! +++ Aktuelle #Refugee-Squats #Athen: #CityPlaza #Notara26 #Kanegos22 #The5thSchool #Votanikos #BrahamiSofortbild unterstützt diese Aktion und sagt: Mehr davon!
Kein Pool, keine Minibar, kein Roomservice und trotzdem

+++ BERLIN. Not und Spiele heißt die neue Kunstaktion des Zentrum für Politische Schönheit (@Politicalbeauty). Geworben wird mit der Aktion für »Flugbereitschaft«:

»Warum dürfen Flüchtlinge nicht fliegen? – Die Joachim 1, die erste Maschine der Flugbereitschaft der deutschen Zivilgesellschaft, bringt Flüchtlinge per Direktflug nach Deutschland – und legt Schleppern das Handwerk. Spenden Sie jetzt und entscheiden Sie, welche Kandidaten mitfliegen dürfen.« (ZPS)

 

 

 

Xinhua, 12.06.16: Wang Meng besucht Hong Kong

Nachstehend: Wiedergabe einer Meldung der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, vom 12.06.16

Übersetzung, Beginn →

Kürzlich hielt der Ehrenvorsitzende des Chinesischen Schriftstellerverbands und berühmte Autor Wang Meng einen Vortrag in Hong Kong, in dem er sich an sein Leben in Xinjiang erinnerte. Er erzählte auch, wie das Leben in Xinjiang ihm neue Erfahrungen und Entwicklungen ermöglicht, und wie tief es seine schriftstellerische Arbeit beeinflusst habe.

Auf Einladung der China Scholar Society, [einer Gesellschaft] unter der Flagge der Our Hong Kong Foundation, hielt Wang seinen Vortrag am 10. Juni in der Hong Kong Central Library, unter dem Titel „Im Exil und füreinander bestimmt – meine sechzehn Jahre in Xinjiang“. Außerdem nahm er an einem Chinesischen Kultursymposium teil, bei dem er sich mit Hong Konger akademischen Kreisen über Erfahrungen im Studium und im [literarischen] Arbeiten austauschte.

Wang Meng ist der Auffassung, Literatur, inklusive dem sprachlichen Vermögen, der Denkfähigkeit, Logik, der Fähigkeit zur Synthese und zur Analyse sowie die Lebenserfahrung eines Autors seien wesentliche Auslöser für dessen schöpferische Arbeit.

Wang Meng sagte in seinem Vortrag, sein Leben in Xinjiang habe ihm neue Erfahrungen und Entwicklungen ermöglicht, und seine schriftstellerische Arbeit tief beeinflusst.

„Von einem literarischen Standpunkt aus gesehen gab es keinen Wang Meng jener Zeit, und es gab auch keinen zukünftigen Wang Meng.“ Der große Roman, den er während seiner Zeit in Xinjiang schrieb – „Die hiesige Landschaft“ – erhielt 2015 den Mao-Dun-Literaturpreis. Ebenfalls zu jener Zeit [in Xinjiang] schrieb er „Frühling in Turfan“, „Eine rote Fahne wie Feuer“, und weitere Prosa und Reportagen.

Wang Meng verwies darauf, dass die meisten jungen Menschen die Gewohnheit entwickelt hätten, auf elektronischen Plattformen zu lesen. Er unterstütze [jedoch] die Vorstellung, das literarische Schaffen solle dreidimensional sein und über die Zweidimensionalität hinausgehen.

Die Generalsekretärin der Our Hong Kong Foundation, Zheng Li Jinfen, sagte, Professor Wang Meng ist eine der Persönlichkeiten, die die literarischen Kreise des Festlands [VR China minus Hong Kong] repräsentieren. Sie hoffe, Wangs persönliche Anwesenheit sei ein Anlass, den Austausch der Literaten beider Gebiete [Festland und Hong Kong] zu stärken, so dass die Flamme der chinesischen Literatur weitergegeben werde.

Reporter: Xie Xiyu

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